Wir hatten uns relativ kurzfristig entschlossen, dieses Wochenende einen Kurztrip nach Tallinn zu unternehmen – quasi ein letzter tiefer Atemzug, bevor die Uni in Tartu am Montag losgeht. Nach Tallinn kommt man von Tartu aus unglaublich bequem – etwas mehr als zwei Stunden mit dem Bus. Gespannt war ich persönlich auf die Fahrt, denn bei unserer Ankunft in Estland war es bereits dunkel uns so war von der estnischen Landschaft zwischen Tallinn und Tartu nicht viel zu sehen. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich zwischen beiden Städten eigentlich nicht viel mehr befindet als – Wald! Überall. Judith verbrachte die Fahrt also schlafend und ich hielt Ausschau nach Elchen – leider war es mir nicht vergönnt einen zu sehen!
Angekommen in Tallinn liefen wir zu Fuß in die Altstadt, wo sich auch unser Hostel für die folgende Nacht befinden sollte. Dies konnten wir auch recht schnell finden – kleines Zimmer, ebenerdig, direkt an der Straße, aber dafür auch nur 20€ für beide und eigentlich ganz gemütlich. Schnell die Klamotten abgeworfen und auf in die Talliner Altstadt! …zum Hostel später nochmal mehr…

Tallinns Alstadt bietet einen wirklich wunderschönen Anblick. Vieles ist mittelalterlichen Ursprungs und wirklich gut erhalten. Tallinn bewirbt sich gerade um den Titel der “Kulturhauptstadt Europas 2011″ und man merkt relativ schnell, dass sie diesen Titel wohl auch verdient hat. Nicht nur, dass die Altstadt an sich eine reizvoll Kulisse bietet und europäische Kulturgeschichte erleben lässt. Auch ansonsten befinden sich in Tallinn unzählige Museen, Opern und Theater. Zwei der Museen haben wir uns an diesem Wochenende angesehen. Zum einen waren wir im estnischen historischen Museum. Hier brachte man uns die Geschichte und Entstehung dieses kleinen Landes von den ersten Siedlungen in der Urzeit an nahe. Alleine die neuere Geschichte Estlands kam dabei etwas zu kurz. Darum waren wir dann am Sonntag auch im Okkupationsmuseum. Dieses relativ neue Museum(erst 2006 eröffnet) versucht die Jahre der Besatzung, also von 1940 – 1991 aufzuarbeiten. Estland wurde in dieser Zeit von zwei Großmächten besetzt (1940-41: Sowjetunion, 1941-44: NS-Deutschland, 1944-91: Sowjetunion). Die Ausstellung besticht durch sehr anschauliche Videos, welche anhand von Originalaufnahmen die Geschehnisse nachvollzieht. Mich interessierte dabei vor allem die “Singende Revolution”, welche in der 80ern ihren Lauf nahm und in welcher sich die Esten quasi in die Unabhängigkeit sangen. Beeindruckend war auch der Bau des Museum, welcher die moderne estnische Architektur wiederspiegelt – diese tritt gerade in den letzten Jahren an vielen Stellen hervor.

Tallinn besticht durch eine große Anzahl an netten kleinen Bars und Cafés. Wir entschieden uns am Samstagnachmittag für ein wirklich schönes Kellercafé mit dem Namen “Kehrwieder”. Wiederkehren würde ich hierhin zweifelsohne bei meinem nächsten Tallinnbesuch. Leckerer Kaffee und hausgemachter Kuchen…wirklich köstlich! Preislich muss gesagt werden, dass Tallinn wirklich in der EU angekommen zu sein scheint. Zwar ist das meiste noch etwas preiswerter als bei uns. Vieles hat aber wahrlich touristische Preise. Da aber Jahr für Jahr viele Menschen Tallinn besuchen, trägt dies anscheinend nur diesem Umstand Rechnung.
Wirklich faszinierend an Tallinn ist jedoch, dass diese Stadt zweigeteilt zu sein scheint – jedoch nicht physisc. In Tartu merkt man, dass diese Stadt eine estnische Stadt ist. Tallinn ist jedoch sehr durch die russischsprachige “Minderheit” geprägt. Diese ist hier jedoch kaum als Minderheit zu bezeichnen, da sie beinahe 50% ausmacht. VieleKennzeichen sind, ganz anders als in Tartu, zweisprachig ausgewiesen.
Eine hosteltypische und wirklich wunderbare Begegnung hatten wir dann heute Morgen. Am Frühstückstisch fand sich eine bunte Truppe aus Deutschen, Finnen, Niederländern und einem Amerikaner zusammen. Relativ schnell hatten wir interessante Gesprächsthemen gefunden und vor allem die Finnen stachen dabei heraus. Die drei Mädels kamen gerade aus Tartu von einem Folkfestival – sie waren eine kleine Folkband. Judith hat jetzt auch ihre erste Emailadresse im Ausland gesammelt




3 Kommentare
Kommentar-Feed für diesen Beitrag
Februar 10, 2008 um 11:23 pm
Dana
Salut,
Mit welcher Sprache schlagt ihr euch denn durch in Estland? Kommt man in jedem Kaff mit Englisch weiter??
ein Blog ist doch eine tolle Erfindung. Ich finde es sehr interessant auf diese Weise einen kleinen Einblick in das estnische Auslandssemester zu bekommen.
Viele liebe Grüße aus Frankreich und einen guten Start in den Uni-Alltag.
Dana
Februar 11, 2008 um 12:30 am
Julius
Wenn ich mal wieder Informatikunterricht habe werde ich mal mit lesen anfangen… mir ist sonst die Zeit zu schade.
Scherz… bloggt fleißig.
Ich denk an euch.
Februar 17, 2008 um 5:17 pm
tartutata
Hi Dana,
ich wollte dir eigentlich demnächst eh mal ein paar Erfahrungsberichte schicken aber kurz zu deiner Frage. Sehr viele Esten können Englisch, vor allem die Jüngeren. Die Älteren dagegen sprechen dann wieder mehrheitlich Deutsch als zweite Fremdsprache. Aber wir werden nächste Woche auch mit dem Estnisch-Unterricht anfangen…dann haben wir da ja keine Probleme mehr.
Liebe Grüße,
Fabi
P.S.: ich lese deinen Blog ürbigens auch immer fleißig