Es heißt ja immer, Studenten seien faul. Gemessen wird dies u.a. an der Länge unserer vorlesungsfreien Zeit (was i.Ü. nicht mit Urlaubszeit zu übersetzten ist). Nun gut, diesem Vorurteil konnten wir dieses Mal entschieden entgegentreten: Uns war nämlich zwischen Semesterende in Deutschland und Semesteranfang in Tartu eigentlich nicht ein freier Tag gegönnt. Natürlich haben wir uns eine Woche einfach herausgenommen, um uns hier vor Uni-Start gut einzuleben. Seit vergangenen Montag drücken wir also wieder nach einer Woche Pause die “Schulbank” und freuen uns darüber. Wir können von einer reibungslosen Betreuung seitens der estnischen Uni berichten, jeglicher bürokratischer Akt ist schnell erledigt, Fragen umgehend per Mail beantwortet. Überhaupt ist es auch für einen angeschlossenen Mitteleuropäer beeindruckend, wie immens alle hier vernetzt sind. Im Zweifelsfall immer Mail und dann ist es auch selbstverständlich, dass die so schnell wie möglich beantwortet wird, auch von Dozenten. Die geben uns sogar noch ihre Handynummer, falls wir mal ne Frage haben… Davon abgesehen versprechen auch unsere Lehrpläne ein spannendes Semester. Über das aufwendige Studenten-Informations-System haben wir uns in Kurse im Bereich der baltischen Studien, Transformationsstudien (Sowjetunion/ Russland, EU, Baltikum) und der Internationaler Politik eingeschrieben. Außerdemm besuchen wir gemeinsam einen Estnisch- Kurs (Ehrensache) und ich versuche mich an den kyrillischen Buchstaben. Die Kurse selbst stellen augenscheinliche hohe Anforderungen, mit einigem Arbeitsaufwand auch während des Semesters. Wir sind gespannt, wie sich der Unterricht gestaltet. Wer studiert muss natürlich auch für den entsprechenden Ausgleich sorgen. Während mir das zuvorderst im Uni-Sportzentrum gelingt, hat sich Fabian am Mittwoch aufs “Pub crawling” begeben. Dabei hat er gemeinsam mit anderen Internationalen Studenten 3 Kneipen ausprobiert, um dann am Ende in einer hängenzubleiben, in die ich ihm gefolgt bin. Nach ein, zwei Bieren und einem Gespräch mit einem angenehmen deutschen Pärchen, haben wir uns zum Besuch des “Illusion” überreden lassen. Eine Großraumdisko. Genaudas, auf was Fabian und ich stehen. Aber wir sind nicht zuhause, da kann man sich nicht allem entziehen, der gute alte soziale Druck… :) Dennoch war es ganz spaßig, vorallem Esten und Russen tanzen zu sehen. Oftmals übertreiben die es mit ihrem Alkoholkonsum ganz schön, was wir dann auch gegen 3, 4 Uhr morgens von unserem Zimmer aus gut hören (die Disko ist nur einige Meter die Straße runter). Gefährlich für den Nüchternheits-Zustand ist dabei wohl auch, dass man in der Disse mit EC-Karte bezahlen kann, alles, jedes Getränk, an jeder Stelle. Da haben wir nicht schlecht gestaunt. Mit einem kleinen Kater haben wir uns am nächsten Morgen aber ganz tapfer in die Uni gemacht.

Seit gestern ist es richtig kalt und zu unserer (und scheinbar geht das jedem hier so) großen Freude hat es gestern und heute herrlich geschneit- der schönste Pulverschnee! Jetzt wachsen überall Eiszapfen, es bizzelt in der Nase und die Wangen frierenn ein…herrlich! Leider können Fabian und ich nirgendwo ein Thermometer finden, wir haben schon spekuliert, das sei psychologische Taktik.

Gerade eben kommen wir aus der Oper: Ich habe Fabian Karten für Verdis Trubadur geschenkt und war wirklich angetan. Der arme Herr ist ja leider kein Opernfan, … aber er hat sich wacker geschlagen :) Ich werde nun wohl öfter ins Vanemuine-Theater gehen. Die haben vieles im Programm und erleben darf man das ganze als Student für 5,60€, egal auf welchem Platz. Ein Witz!

Überhaupt erleben wir Tartu als kulturbegeisterte Stadt, so wie sie uns angekündigt wurde; wunderbar!

Für heute ein herzliches Adé. Judith.